Kanzlerin beim WeltwirtschaftsforumMerkel zeigt sich in Davos ungewohnt besorgt – und spricht vier Warnungen aus

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Zu Hause in Berlin gibt sich Angela Merkel meist optimistisch, dass sich Probleme schnell lösen lassen. Beim Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos trat die Bundeskanzlerin dagegen ungewohnt besorgt auf. Während ihres ersten Besuchs in den Schweizer Bergen seit drei Jahren redete sie Managern, EU-Politikern und der SPD ins Gewissen.

Vor rund 1000 Zuhörern, darunter BelgiensKönigspaar, Commerzbank-Chef Martin Zielke, die Deutsche-Bank-Vizes Marcus Schenck und Christian Sewing und IWF-Chefin Christine Lagarde, mahnte Merkel: Vieles in Deutschland und Europaläuft ganz okay – aber eben auch nicht richtig gut. Und durch die Digitalisierung (Stichwort: Disruption) werde sich die Welt innerhalb weniger Jahren entscheidend verändern. Mit möglicherweise sehr negativen Folgen für Jobs, Wohlstand, das politische System – wenn jetzt nicht die Weichen richtig gestellt werden.

Merkel: Bürger müssen „mitgenommen werden“

Merkels Mahnung an die Manager: „Sie leben in einer Welt mit Voraussetzungen, die sie selbst nicht geschaffen haben.“ Die Manager sollten deshalb dafür sorgen, dass sie ihrerseits gute Voraussetzungen für die nächste Generation schafften – damit es auch in Zukunft ausreichend Jobs gibt.

Bei der Digitalisierung müssten viele Bürger und Arbeitnehmer „mitgenommen“ werden, betonte die Kanzlerin. Das sei auch die Aufgabe der Wirtschaft. Ansonsten drohe die Gefahr, dass populistische Parteien noch stärker würden.

 

Auch der US-Präsident ist Adressat

Auch für US-Präsident Donald Trumphatte die Kanzlerin eine versteckte Mahnung parat. Sie warnte eindringlich vor Protektionismus und Abschottung gewarnt und ein Plädoyer für eine umfassende internationale Zusammenarbeit gehalten. „Deutschland will ein Land sein, das auch in Zukunft seinen Beitrag leistet, um gemeinsam in der Welt die Probleme der Zukunft zu lösen“, sagte Merkel am Mittwoch vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Auch darum sei es so wichtig, dass Deutschland nun schnell eine neue Regierung bekomme.

Ohne US-Präsident Donald Trump zu erwähnen, der am Freitag in Davos spricht, sagte Merkel: „Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiterführt. Wir glauben, dass wir kooperieren müssen, dass Protektionismus nicht die richtige Antwort ist.“ Wenn man der Meinung sei, dass die Dinge nicht fair zugingen, müssten multilaterale und nicht unilaterale Lösungen gesucht werden. Angesichts der Katastrophen des 20 Jahrhunderts mit den beiden Weltkriegen fragte Merkel: „Haben wir nun wirklich gelernt aus der Geschichte, oder haben wir es nicht?“.

Kanzlerin mahnt SPD und eigene Partei

Merkels Mahnung an die EU-Politiker: Europa muss dafür sorgen, weiter wettbewerbsfähig zu sein – gerade im Konkurrenzkampf mit Amerika und Asien. Es gebe „große Aufgaben“, unter anderem müsse es eine engere und bessere Zusammenarbeit in der Außenpolitik geben, in der Flüchtlingspolitik und bei der Frage: Wie wollen wir den Umgang von Firmen wie Facebookmit Kunden-Daten regeln?

Auch beim Euro sieht die Kanzlerin Handlungsbedarf: „Wir haben eine okay-funktionierende Währungsunion“, konstatierte sie. Das reiche aber nicht. Merkel mahnte unter anderem die Umsetzung der Bankenunion und wettbewerbsfähige Steuersätze an: „Wir müssen sehen, dass wir ein interessanter Investitionsstandort sind.“

Merkels Mahnung an die SPD– und die eigene Partei: Die Digitalisierung muss zentrales Projekt der nächsten Bundesregierung werden!

Deutschland muss „rund um die Uhr handlungsfähig sein“

Das heutige Leben in Deutschland „funktioniert einigermaßen – aber morgen nicht mehr“, sagte die Kanzlerin. Der Umbau in eine digitale Gesellschaft müsse daher „Schwerpunkt der nächsten vier Jahre sein. Ich fühle, dass wir Druck haben.“

Ihre Lehre aus der Zeit seit der Bundestagswahl sei, „wie viel sich verändert in vier Monaten“. Deutschland sollte deshalb „rund um die Uhrhandlungsfähig sein“. Noch eine versteckte Mahnung an die SPD, bei der Regierungsbildung schnell voran zu kommen…

Quelle : https://www.focus.de/politik/ausland/kanzlerin-beim-weltwirtschaftsforum-merkel-zeigt-sich-in-davos-ungewohnt-besorgt-und-spricht-vier-warnungen-aus_id_8355939.html?utm_source=facebook&utm_medium=social&utm_campaign=facebook-focus-online&fbc=facebook-focus-online&ts=201801242022

 

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